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1. Woche
9. Februar bis 15. Februar 1945:
von Mahlendorf bis Tiegenort.

Abfahrt Freitag zum 9. Februar 1945. 4 Uhr.

1) 9. Febr. Autobahn bis Grunenfeld.
Wagen in Graben gefahren. Gepäck aus-
laden. Übernachten mitten auf der Fahrstraße.

2) 10. Febr. Sonnenstuhl, Ziegelei Regitten,
schlechteste Wege. In später Nacht
über Hammersdorf nach Helenenhof. Kalt und
stürmisch unter furchtbarem Artillerie-
beschuss in nächster Nähe die ganze Nacht
Quartier im Wäldchen.

3) 11. Febr. Morgens um ½ 7 Uhr ging Frau
H.
plötzlich von uns. Schlechte
Wege in der Nähe von Schettnienen, Gerlachs-
dorf
, Leysuhnen um 3 Uhr reibungs-
lose schöne Fahrt übers Haff bis kurz
vor die Nehrung. Da dort wegen Eislöchern
keine Möglichkeit an Land zu gehen,
Fahrtrichtung Haffmitte. Daselbst über-
nachten bei Sturm, Schnee und Nebel.
Mussten die Wagen alle paar Stunden
weiter gerückt werden, weil Wasser nach-
stieg. Viel Beschuß.

4) 12. Febr. Endlose Trecks auf 5 Fahrtstraßen
Richtung Kahlberg. Stundenlanges Warten
vor den primitivsten Eisbrücken. Die Mäd-
chen zur Nehrung gelaufen. Den ersten
Kaffee gebrüht. Viel Eislöcher. Ca. 200 m
vor Kahlberg auf dem Eis übernachtet.
Beschuß, Verletzte.

5) 13. Febr. Nach endlosem Warten kurz vor
Mittag über eine gebastelte Brücke in Kahl-
berg
an Land gefahren. Auf furchtbar aus-
gefahrenene Wegen durch den Ort gefahren.
Den miserablen Berg nach Liep schafften
die Pferde nicht. Es war ein beängstigender
Zustand mit der Leiche von Frau H. im Wagen.
Am sandigen Abhang bei schönem warmen
Sonnenschein Frau H. in die Erde ge-
bettet. Kaffee getrunken, Hände und Gesicht
gewaschen. Gegen Abend gings weiter bis in
den Forst zum Übernachten. Pferde konnten
sich zum ersten Mal hinlegen auf den
weichen Waldboden. Gut geschlafen, man
hörte in der Nacht das Rauschen der Ostssee
und keinen Kanonendonner.

6) 14. Febr. Fahrt an der Seeküste, anfangs
schlechte Sandstraßen, viel Wagen schieben.
Dann bessere Fahrbahn, sehr stürmisch, hoher
Wellengang. Unterwegs viel ausgestreutes
Flüchtlingsgut und Pferdekadaver. Den
steilen Berg zur Düne nach Stutthof schaff-
ten die Pferde am Abend nicht mehr. Bei brau-
sendem Wellengang am Ostseestrand die Nacht
verbracht.

7) 15. Febr. Morgens waren die Pferde ausge-
ruht und schafften den Sandberg nach
Stutthof. Weiter gings nach Tiegenhof, Tiegen-
ort
. Abbau auf einem Gehöft übernachtet
und in einem Häuschen uns das erste
warme Abendessen und Kaffee bereitet.
Gut gewaschen und im kleinen Stübchen
auf Decken geschlafen. Kartoffel gekocht,
dazu Braten vom Rothirsch (Glas von H.).


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Rolf Jehke, Herdecke.
Zuletzt geändert am 9. 7. 2011.